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2. Bericht zum Stand der Bauarbeiten Scharwenka Haus, abgestimmt mit der Architektin Carola Petzold und der Bericht "10 Jahre Wiederentdeckung Scharwenka ..."

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Philipp Scharwenka

Alle biographischen Angaben und Belege können keinen Anspruch auf Vollständigkeit erfüllen. Es wird gebeten, Hinweise und Ergänzungen der Scharwenka Stiftung mitzuteilen (info@scharwenka-stiftung.de).

Plädoyer für einen zu Unrecht vergessenen Künstler

Philipp Scharwenkas Kammermusik in Neuausgaben wieder zugänglich zu machen, ist ein Gebot der Stunde. Zu lange schlummerte der kompositorische Nachlaß dieses großen, der absoluten Tonqualität und der melodischen Erfindung verpflichteten Romantikers in den Archiven. Als Scharwenka am 16. Juli 1917 in Bad Nauheim während eines Kuraufenthaltes starb, waren die Uhren der 3 europäischen Kaiserreiche Deutschland, Österreich und Rußland abgelaufen. Der Untergang dieser Epoche ließ auch ihre musikalischen Repräsentanten, zu denen Philipp Scharwenka, ebenso wie sein Bruder Xaver Scharwenka (1850-1924) gehörten, fast in Vergessenheit geraten. "Neues", Modernes um jeden Preis war angesagt, obwohl Ignatz Brill schon 1906 prophetisch ausgerufen hatte: "Vieles, was jetzt modern ist, wird bald modern." Spät greift diese Erkenntnis, aber mit der Wiederaneignung vieler einst zum Kulturerbe erhobenen Werke verkümmern die seriellen Tonverwerfungen der "Moderne" ihrerseits auf Dauer (nicht einmal) in den Archiven.

Philipp Scharwenka wurde am 16. Februar 1847 zu Samter (Posen) geboren. Als Sohn eines Baumeisters erhielt er, neben autodidaktischen Studien frühen Musikunterricht von seiner Mutter und dem Ortskantor. Nach der Posener Gymnasialzeit ging er an die Kullaksche Akademie in Berlin, zunächst lernend, ab 1868 lehrend. Nach 1874 trat er mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit. Ab 1881 leitete er am, im selben Jahr gegründeten Konservatorium seines Bruders Xaver den Theorieunterricht. 1891/92 weilte er in den USA. 1902 wurde er Professor, 1911 Senator der Berliner Akademie. - Seit 1988 betreut und fördert eine in Lübeck wirkende Xaver & Philipp Scharwenka-Gesellschaft verdienstvoll das Werk der Komponistenbrüder.

Das programmatisch gestaltete, lyrisch angehauchte und vorzüglich ausgearbeitete Klavierwerk Philipp Scharwenkas hat lange in Haus und Schule überdauert. Das Klavier ist es auch, das in der stark durch Polyphonie und erfinderischer Durchführung geprägten Kammermusik den Ton angibt. Hervorgehoben seien hier die Violinsonaten Op. 110 und op. 114, die vorliegende Sonate op. 106 in g-moll für Viola und Klavier, eine Violoncello-Sonate op 116; drei hochbedeutende Klaviertrios und das Klavierquintett in h-moll, op. 118. Eine geradezu attitüdenhafte Nonchalance begegnet und hingegen in den Großformen der symphotischen Dichtungen, seiner Symphonien und in den Chorwerken. Hier setzt der Lyrismus der Monumentalität enge Grenzen - oder verinnerlicht selbige.

Wieder ins Repertoire gehören Philipp Scharwenkas zwei Streichquartette (bei Amadeus wieder zu haben); Op. 117 in d-moll erschien erstmals 1910 bei Breitkopf &Härtel; Op 120 in d-dur kam 1912 bei Simrock in Berlin heraus. In beiden Werken tritt Scharwenkas "Eigenart am makellosesten ans Licht". Angereichert sind die "konservativen" Tongemälde der technisch gut zu bewältigenden Sätze mit einer Fülle streicherischer Leckerbissen. Gleiches gilt für unsere Violasonate, die wir nach dem fabelhaften Erstdruck von 1899, betitelt "Philipp Scharwenka / Sonate / für Viola / mit Begleitung des Pianoforte, / Op. 106, /Breitkopf & Härtel, / Leipzig (Pl.-Nr. 223741)" hier erneut, von wenigen Notationsfehlern bereinigt, unverändert auflegen.

Bernhard Päuler, Amadeus Verlag Winterthur / Schweiz (BP 671, 1977)

Fotobiographie in chronologischer Folge (teilw. Jahr geschätzt)
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1890 ca.
Brb. mit Bruder
(C. Bratsch,Berlin)


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1898
Foto Brb.
(unbekannt)

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1900
Foto Brb.
(Ernst Küssner)


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1903
Foto Brb.
(Paul Gericke)

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1903
Postkarte m.
Foto v. P. Gericke
u. Autogramm


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1905
Foto Porträt
(unbekannt)

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1908
Foto Gemälde
v. Faltermeyer
(Scharwenka Stiftung)


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1914
Foto Brb.
(Karl Kleitsch)

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1914
Postkarte
m. Foto
v. K. Kleitsch


Tabellarischer Lebenslauf
1847 am 16. Februar geboren in Samter/Szamotula bei Posen/Posnan
Vater: August Wilhelm (1811-1879) Baumeister
Mutter: Apollonia Emilie geb. Golisch , gest. 1895
1858 Umzug der Familie nach Posen/Poznan
Besuch des deutschen "Wilhelms- Gymnasium"
1865 Umzug der Familie nach Berlin
Studium in Berlin in der Neuen Akademie der Tonkunstbei Richard Wüerst und Heinrich Dorn.
1868 Dozent an der Neuen Akademie der Tonkunst in Berlin
Erste eigene Kompositionen.
1874 Erstes öffentliche Konzert mit einer Overtüre.
1880 Heirat mit Marianne Stresow (25.2.1856 - 23.10.1918)
Söhne Walter und Franz, Tochter Marlene
1881 Leitung am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium Berlin des Theorie- und Kompositionsunterricht.
Fahrt nach New Jork zu seinem Bruder Xaver.
1882 Rückkehr nach Berlin und Übernahme der Leitung des Konservatoriums bis zu seinem Tod.
1898 Widmung von Max Reger seines Phantasiestückes Op. 26 an Philipp
1905 Berufung als Professor und Mitglied der königlichen Akademie der Künste Berlin
1911 Berufung als Senator der königlichen Akademie der Künste Berlin
1917 am 16.Juli gestorben und, begraben in Bad Nauheim
  Philipp hinterlässt ein grosses kompositorisches Schaffen:
3 Symphonien, Symphonische Dichtungen, ein Volinkonzert, einige Chorwerke, die Oper Roland, sowie Sonaten, Quartette, Capricen und Tänze.

Zusammengestellt von Wolfgang Scharwenka, August 2011
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